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GASTKOLUMNE

"Blenden die Scheinwerfer
neuer Autos stärker als alte?"

Text: Katrin Brahner
Fotos: André Gottschalk
Es sind nur Sekundenbruchteile, ein paarmal blinzeln, dann ist die Sicht wieder klar. Trotzdem empfinden einige Autofahrer die kurze Blindheit, die nachts durch die Scheinwerfer des Gegenverkehrs entstehen kann, als störend. Viele schimpfen auf die neuen Autos: Diese würden mit ihren extra hellen Scheinwerfern alles schlimmer machen. Stimmt das wirklich?
Welche unterschiedlichen Lichttechnologien gibt es bei Scheinwerfern überhaupt?

Grundsätzlich lassen sich im Straßenverkehr drei Lichttechnologien unterscheiden: Halogen, Xenon und LED. Autoscheinwerfer mit Halogentechnik gibt es in Deutschland seit den 1970er-Jahren, sie werden heutzutage aber kaum noch in Fahrzeugen verbaut. In den 1990er-Jahren kamen dann Scheinwerfer mit Xenontechnik auf den Markt. Seit den frühen 2000er-Jahren ist die LED-Technologie im Automobil auf der Erfolgsspur und entwickelt sich stetig weiter. Mittlerweile sind LED-Scheinwerfer bei den meisten neuen Modellen die Standardbeleuchtungseinheit. Dafür sprechen viele Vorteile: LEDs sind robuster, langlebiger und energieeffizienter. Außerdem leuchten sie sowohl heller als auch zielgerichteter.

Also verfügen die Lichttechnologien über eine unterschiedlich starke Leuchtkraft?

Während Halogenscheinwerfer eine Lichtfarbe von rund 3 000 Kelvin aufweisen, sind es bei Xenonscheinwerfern circa 4 000 und bei LED-Scheinwerfern schon um die 6 000 Kelvin. LEDScheinwerfer erzielen also eine höhere Leuchtkraft als die anderen Technologien. Außerdem imitieren sie unser Tageslicht recht gut. Das gelingt durch einen hohen Blauanteil im Lichtspektrum. Für den Fahrer ist das sehr angenehm, denn das Licht wirkt auf die Augen nicht künstlich. Für entgegenkommende Fahrer kann das LED-Licht genau aus diesem Grund irritierend wirken – schließlich erwarten unsere Augen nicht, nachts auf Tageslicht zu treffen.

Dann blenden Scheinwerfer neuer Autos den Gegenverkehr also doch stärker?

Wie stark sich jemand von einem entgegenkommenden Fahrzeug geblendet fühlt, hat zunächst nicht direkt etwas mit der Lichttechnologie der Scheinwerfer zu tun. Das ist zuerst einmal eine Frage der individuellen Wahrnehmung. Manche Personen empfinden ein entgegenkommendes Fahrzeug nachts sehr schnell als störend, ganz egal welche Lichter verbaut sind. Andere Personen fühlen sich weniger schnell geblendet. Jeder Fahrer sollte stets darauf achten, dass die Scheinwerfer korrekt eingestellt sind und das angemessene Licht für die gegebenen Umstände genutzt wird. Am wichtigsten ist: Niemals direkt in das Licht entgegenkommender Autos schauen! Stattdessen den Blick vor das Auto auf die Straße und leicht zum rechten Fahrbahnrand hin ausrichten. Denn: Wer direkt in das Scheinwerferlicht eines entgegenkommenden Fahrzeugs schaut, wird ohnehin nicht mehr unterscheiden können, ob das nun ein Halogen-, ein Xenon- oder ein LED-Licht ist.

Portraitbild Dennis Holz

Dennis Holz

Leiter Produktstrategie und Produktmanagement bei Hyundai Motor Deutschland

Unser Besserwisser entlarvt Mythen des mobilen Alltags. Dieses Mal widmet sich Dennis Holz unseren Autoscheinwerfern und räumt mit einigen Vorurteilen auf. Der studierte Betriebswirt ist als Produktexperte im Automobilbereich tätig.

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